Kunstlandschaften

Landschaftsparks und -gärten sind eine eigenartige Form kulturellen Ausdrucks, geradezu aus Widersprüchen heraus geschaffen. Natur wird zunächst beseitigt – oder anders genutzte Flächen werden umgewidmet – und dann wird geplant und umgesetzt, um wieder etwas möglichst naturnah Wirkendes, jedoch in idealisierter Form, entstehen zu lassen. Es ist nicht Natur, die nachgeamt oder neu komponiert wird, es ist die Umsetzung eines Bildes, einer künstlichen Vorstellung, die – durch Zeigeist und Kultur determiniert – sich die jeweiligen Auftraggeber und Gartenkünstler von der Natur angeeignet und als Objekt der Gestaltung begriffen haben. Gartenkunst ist zunächst reine Gestaltung, also das Gegenteil von Natur. Landschaft wird zum vierdimensionalen Tafelbild geformt, es kann als Raum durchwandert werden. Es kann aber auch intensiv in der Zeit erlebt werden, in kurzen Abschnitten durch z.B. die Veränderungen innerhalb eines Tages, durch Wolken, Wetter, Sonnenstand; im Jahresablauf, durch die Jahreszeiten und die Wachstums- und Rückzugsprozesse; und schließlich über die Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte hinweg: alte Landschaftsparks sind heute viel dichter, reicher und ausgeprägter als zur Zeit ihrer Anlage, allein durch das Wachstum der Bäume. Dieser weitere Widerspruch, nämlich etwas zu gestalten, was man erst viele Jahre später – oder erst die nachfolgenden Generationen – in der geplanten Qualität sehen wird, was aber auch nie perfekt und nie fertig sein wird, im Gegensatz zur üblichen Zielfführung und zeitlichen Absehbarkeit künstlerischer Tätigkeit, macht aber vielleicht gerade den besonderen Reiz aus: Gartengestaltung ist reines Investment in die Zukunft. Die von den früheren Gestaltern geplanten Perspektiven, Tableaus, überraschenden oder fließenden Wechsel der Wahrnehmungen, z.B. durch sorgfältig platziere Bäume oder Gebäude(-fragmente), nachzuvollziehen und in der Bewegung durch die sich dabei laufend verändernden Räume zu erleben, ist eine lehrreiche und spannende Tätigkeit auch für die heutigen Gestalter, obwohl sie sich in der Regel mit ganz anderen Artefakten beschäftigen. ge

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